Das kolorektale Karzinom zählt zu den am intensivsten erforschten Tumorarten. Gleichzeitig gibt es zahlreiche Möglichkeiten, seiner Entstehung vorzubeugen. Darauf macht auch der Darmkrebsmonat März aufmerksam.
Darmkrebs entsteht in der Regel sehr langsam und entwickelt sich über viele Jahre hinweg. Ausgangspunkt sind Veränderungen der Zellen in der Darmschleimhaut. Daraus entstehen zunächst Wucherungen, sogenannte Polypen, die anfangs meist gutartig sind. Diese Adenome können jedoch entarten: Die Zellen beginnen sich unkontrolliert zu vermehren und entwickeln sich schließlich zu Krebs. Rund 90 Prozent aller Darmkrebserkrankungen gehen auf solche ursprünglich gutartigen Darmpolypen zurück.
Die Gründe für diese Veränderungen können unterschiedlich sein. Neben einer genetischen Veranlagung spielen auch Lebensstilfaktoren eine Rolle, etwa Übergewicht, Bewegungsmangel sowie der Konsum von Tabak, Alkohol oder rotem und verarbeitetem Fleisch. „Wir wissen inzwischen, dass sich etwa 30 bis 40 Prozent aller Krebserkrankungen durch einen gesunden Lebensstil verhindern lassen – das bezeichnet man als Primärprävention“, erklärt Heidrun Thaiss, Geschäftsführerin und Direktorin Medizin und Wissenschaft der Felix Burda Stiftung, die sich der Darmkrebsprävention widmet.
Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Vorbeugung ist die sogenannte Sekundärprävention, also die Früherkennung von Krebs. Gerade beim Darmkrebs sind die Möglichkeiten dafür besonders gut. Anders als bei vielen anderen Krebsarten stehen mit dem Stuhltest und der Darmspiegelung – der Koloskopie – zwei wirksame Untersuchungsmethoden zur Verfügung. Mit ihrer Hilfe kann Darmkrebs frühzeitig erkannt oder sogar verhindert werden, vorausgesetzt, die Angebote werden auch genutzt. „Obwohl 2024 mehr Menschen als zuvor an der Vorsorge teilgenommen haben, erreichen wir noch immer nicht die Inanspruchnahme, die wir uns wünschen“, sagt Thaiss. Nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums nutzt weniger als ein Fünftel der Anspruchsberechtigten diese Vorsorgeangebote. Besonders niedrig ist die Teilnahmequote bei Männern, obwohl sie häufiger an Darmkrebs erkranken als Frauen.
Darmspiegelung ist schmerzfrei
Viele Menschen scheuen eine Darmspiegelung, was laut Thaiss häufig auf Vorurteile zurückzuführen ist. Besonders verbreitet ist die Annahme, die Untersuchung sei schmerzhaft. „Das stimmt nicht. In der Regel verläuft der Eingriff für die Betroffenen schmerzfrei, sodass niemand davor Angst haben muss“, erklärt Thaiss. Unangenehm kann jedoch die Vorbereitung sein. Dennoch hat sich auch hier einiges verbessert: Die Abführlösungen sind heute teilweise geschmacklich erträglicher, sodass sie nicht mehr mit großer Überwindung eingenommen werden müssen. Unvermeidlich bleibt allerdings, dass der Tag vor der Untersuchung überwiegend auf der Toilette verbracht wird.
Eine gründliche Vorbereitung ist dabei wichtig. „Je sorgfältiger der Darm gereinigt wird, desto besser ist die Sicht für den Koloskopeur und desto leichter lassen sich mögliche Polypen erkennen“, betont Thaiss. Zudem hat die Untersuchung einen langfristigen Vorteil: „Wer die Prozedur einmal hinter sich hat, hat in der Regel für zehn Jahre Ruhe und die Gewissheit, dass keine Krebsvorstufen im Darm vorhanden sind. Das rechtfertigt den Aufwand.“
Deutlich unkomplizierter ist der Stuhltest. Dabei wird alle zwei Jahre eine Stuhlprobe auf versteckte Blutspuren untersucht. „Der Test ist ähnlich zuverlässig wie eine Koloskopie“, erklärt Thaiss. „Allerdings erkennt er nur bereits vorhandenen Krebs im Frühstadium. Polypen als mögliche Vorstufe werden meist nicht entdeckt, weil sie in der Regel nicht bluten.“
Bei den 50- bis 75-Jährigen, die in Deutschland einen Stuhltest durchführen lassen, fällt bei etwa fünf bis neun Prozent das Ergebnis positiv aus, was bedeutet, dass Blut im Stuhl nachgewiesen wurde. „Ein solcher Befund bedeutet jedoch nicht automatisch, dass Darmkrebs vorliegt. Das ist lediglich bei etwa zehn Prozent der positiven Tests der Fall“, erklärt Christian Pox, Chefarzt der Medizinischen Klinik am St. Joseph-Stift in Bremen und Vorstandsmitglied der Gastro-Liga. Deshalb folgt auf einen positiven Stuhltest grundsätzlich eine Darmspiegelung, um Darmkrebs sicher nachzuweisen oder auszuschließen. Wenn dabei kein Krebs festgestellt wird, ist in den folgenden zehn Jahren kein weiterer Stuhltest erforderlich.
Gesetzlich Versicherte Frauen und Männer ab 50 Jahren haben Anspruch auf zwei Vorsorge-Darmspiegelungen im Abstand von zehn Jahren. Alternativ können sie alle zwei Jahre einen Test auf okkultes, also mit bloßem Auge nicht sichtbares Blut im Stuhl durchführen lassen. Wer sich nach der ersten Darmspiegelung zehn Jahre später gegen eine zweite entscheidet, kann stattdessen wieder den Stuhltest nutzen.
Die Teilnahme an der Vorsorge bietet auch therapeutische Vorteile. „Je früher wir den Krebs entdecken, desto größer sind die Heilungschancen“, sagt Pox. Fortschritte in der Behandlung, etwa verbesserte Chemotherapien und in bestimmten Fällen auch Immuntherapien, erhöhen zusätzlich die Erfolgsaussichten. „Wenn der Krebs noch auf die Darmwand begrenzt ist, liegt die Fünf-Jahres-Überlebensrate inzwischen bei nahezu 100 Prozent“, so Pox.
Eine absolute Sicherheit können Vorsorgeuntersuchungen jedoch nicht garantieren. Polypen können sich beispielsweise in Darmwindungen verbergen oder noch so klein sein, dass sie während der Koloskopie übersehen werden. Deshalb sollte man auch bei bestimmten Beschwerden ärztlichen Rat suchen, selbst wenn die letzte Darmspiegelung unauffällig war. „Das häufigste Symptom bei Darmkrebs ist Blut im Stuhl“, erklärt Pox. „Auch deutlich veränderte Stuhlgewohnheiten oder ein plötzlich starker Gewichtsverlust sollten ärztlich abgeklärt werden. Schmerzen hingegen treten bei Darmkrebs glücklicherweise nur selten auf.“
[Quelle bzw. Grundlage: Tagesspiegel, Claudia Füßler: Mit wenig Aufwand viel erreichen]